Mit Mitte 40 wagte Klaus Brüggemann den Schritt in die Selbstständigkeit und stieg bei E.L.F. Hallen und Maschinenbau als Gesellschafter ein. 15 Jahre später blickt er auf eine vollständige Unternehmensübernahme, anspruchsvolle Marktphasen, ein gewachsenes Team und das größte Investitionsprogramm der Firmengeschichte zurück. Stillstand kommt für ihn nicht infrage.
Als Klaus Brüggemann im Jahr 2011 bei E.L.F. Hallen und Maschinenbau einstieg, war dies für ihn mehr als ein beruflicher Wechsel. Mit Mitte 40 wagte er den Schritt aus einer langjährigen Tätigkeit als angestellter Geschäftsführer in die Selbstständigkeit – und übernahm damit nicht nur unternehmerische Verantwortung, sondern auch ein erhebliches persönliches Risiko.
„Die 15 Jahre waren einfach gut und haben viel Spaß gemacht. Ich habe diesen Schritt nie bereut“, sagt Brüggemann rückblickend. „Natürlich hat es Ecken und Kanten gegeben. Aber mit allen Höhen und Tiefen bin ich rundum zufrieden mit der Entwicklung, mit unserem Produkt und vor allem mit dem Team, das wir zusammengehalten und weiterentwickelt haben.“
Vom Einstieg zur vollständigen Übernahme
Der Weg zu ELF hatte sich über mehrere Jahre entwickelt. Brüggemann kannte die Gründer des Unternehmens bereits und hatte früh erkennen lassen, dass er sich eine Zusammenarbeit vorstellen könne. Als innerhalb der Gründerfamilien keine Nachfolgelösung absehbar war, begannen 2008 die ersten konkreteren Gespräche. 2011 folgte schließlich der Einstieg als Gesellschafter.
Die Übernahme erfolgte dabei schrittweise: zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung, später mit 50 Prozent und schließlich vollständig. Seit Ende 2021 befindet sich das Unternehmen – welches er seit 2025 mit Marco Schuhmacher im Geschäftsführer-Duo zusammen leitet – im Besitz von Klaus Brüggemann und seiner Frau Stefanie Brüggemann.
Ursprünglich war Brüggemann vor allem in der Land- und Kommunaltechnik zu Hause. Seine technische Ausbildung, die Meisterprüfung sowie viele Jahre im Vertrieb und in geschäftsführenden Positionen bildeten jedoch eine gute Grundlage für den Einstieg in den Hallenbau.
„Am Ende geht es nicht allein um das Produkt“, erklärt er. „Entscheidend ist, ob es dafür einen Markt gibt, ob das Geschäftsmodell funktioniert und ob man gemeinsam mit einem guten Team etwas weiterentwickeln kann. Diese Voraussetzungen waren bei ELF von Anfang an gegeben.“


Wachstum mit Augenmaß
Unter Brüggemanns Führung entwickelte sich ELF kontinuierlich weiter. Dabei setzte das Unternehmen bewusst nicht auf Wachstum um jeden Preis. Gerade im Hallenbau ist die Zahl qualifizierter Fachkräfte und zuverlässiger Montagepartner ein entscheidender Faktor.
„Wir hätten in den vergangenen Jahren möglicherweise schneller wachsen können“, sagt Brüggemann. „Aber für uns galt immer: Qualität darf durch Wachstum nicht gefährdet werden. Erst wenn die notwendigen Kapazitäten und die richtigen Menschen vorhanden sind, können wir den nächsten Schritt machen.“
Wie wichtig dieser Grundsatz ist, zeigte sich insbesondere in den Jahren 2016 bis 2018. Eine hohe Nachfrage traf damals auf begrenzte Montagekapazitäten und stark schwankende Materialpreise. Der Versuch, kurzfristig zusätzliche Kapazitäten am Markt einzukaufen, brachte nicht überall die gewünschte Qualität.
ELF reagierte, reduzierte das Tempo und konzentrierte sich wieder stärker auf verlässliche Partner, kontrollierbare Abläufe und wirtschaftlich gesunde Projekte. Für Brüggemann war diese Phase eine wichtige unternehmerische Erfahrung.
„Man muss bereit sein, Entscheidungen zu korrigieren“, sagt er. „Marktanteile allein helfen einem Unternehmen nicht weiter. Entscheidend ist, dass Wachstum solide, ertragreich und dauerhaft beherrschbar bleibt.“
Trotz der anspruchsvollen Marktphase investierte ELF auch in die eigenen Strukturen. 2017/2018 wurde der Standort erweitert und zusätzlicher Lagerplatz überdacht. Der Anbau war ein wichtiger Schritt, um die betrieblichen Abläufe weiterzuentwickeln und zusätzliche Kapazitäten am Standort zu schaffen.
Mehr als eine Halle
Eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen 15 Jahre sieht Brüggemann in der konsequenten Ausrichtung auf Beratung und individuell geplante Lösungen. Bei ELF soll ein Interessent nicht lediglich eine Halle nach Standardmaßen erhalten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie das Gebäude später tatsächlich genutzt wird.
Welche Maschinen sollen darin arbeiten? Welche Durchfahrten, Spannweiten und Rangierflächen werden benötigt? Welche Anforderungen ergeben sich aus Brandschutz, Wärmeschutz, Gefahrstoffen oder den regional unterschiedlichen Wind- und Schneelasten?
„Der Kunde kauft nicht einfach Stahl und eine Dachfläche. Er kauft einen Raumnutzen“, betont Brüggemann. „Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam mit ihm herauszufinden, welche Lösung langfristig wirklich zu seinem Betrieb passt.“
Dazu verfügt ELF über Kompetenzen in Architektur, Konstruktion, Brandschutz und technischer Planung. Dieses Wissen fließt bereits früh in die Projekte ein. So entstehen häufig andere Gebäude als zunächst angefragt – dafür jedoch Hallen, die auf Arbeitsabläufe, Maschinen und künftige Entwicklungen der Kunden abgestimmt sind.
Diese Beratungsleistung ist zugleich ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb. „Wir sind nicht immer der günstigste Anbieter“, sagt Brüggemann. „Aber wir nehmen uns viel Zeit, um den Bauherrn auf die richtige Gebäudespur zu bringen. Viele Kunden erkennen, dass sich diese Beratung und eine präzise Ausführung langfristig auszahlen.“
Ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg war die Einführung des Hallen-Konfigurators. Ursprünglich wurde das digitale Werkzeug intern entwickelt, um den Außendienst bei der Visualisierung und Planung von Hallen zu unterstützen. Heute können Kunden über die Website von E.L.F damit selbst erste Vorstellungen entwickeln und ihre Wunschhalle konfigurieren – als Grundlage für die anschließende persönliche Beratung.
Präzision von der Planung bis zur Montage
Qualität versteht ELF als durchgängigen Prozess – von der Beratung über Planung, Bauantrag und Produktion bis zur fertigen Montage. Dabei erhalten Kunden alle Leistungen aus einer Hand. Neben der seit Langem angebotenen Fundamentplanung übernimmt ELF inzwischen auf Wunsch auch die Fundamentarbeiten. Das reduziert Schnittstellen und vereinfacht die Abläufe auf der Baustelle.
Die Stahlkonstruktionen werden so vorbereitet, dass auf der Baustelle weder nachgebohrt noch nachgeschweißt werden muss. Über Planung und Produktion hinweg setzt ELF dabei auf überprüfte Qualitätsstandards: Die Planung ist IFBS-zertifiziert, die Lackqualität der Stahlbauteile wurde unabhängig durch das Fraunhofer-Institut IFAM geprüft. Ergänzend sorgen dokumentierte Prozesse, etwa bei Zusammenstellung und Verpackung der Bauteile, für zusätzliche Qualitätssicherung.
Einen wesentlichen Anteil an der Ausführungsqualität haben aus Sicht von Brüggemann auch die langjährigen Montagepartner. Viele der Kolonnen arbeiten seit Jahren regelmäßig für ELF und sind eng in die Abläufe eingebunden.
„Die Menschen auf unseren Baustellen sind keine anonymen Nachunternehmer“, sagt er. „Sie sind wichtige Partner und für uns Teil der Mannschaft. Wenn Menschen gerne arbeiten, sich eingebunden fühlen und auf Augenhöhe behandelt werden, sieht man das auch am Ergebnis.“
Eine Unternehmenskultur auf Augenhöhe
Der persönliche Umgang innerhalb des Unternehmens gehört für Brüggemann zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Er spricht bewusst von Kollegen und nicht nur von Mitarbeitern. Dabei spielt es für ihn keine Rolle, ob jemand in der Geschäftsführung, in der Produktion, in der Verwaltung, als Auszubildender oder als externer Monteur tätig ist.
„Niemand hat das Recht, einen anderen Menschen von oben herab zu behandeln“, sagt Brüggemann. „Man kann unterschiedliche Meinungen haben. Entscheidend ist, dass man wieder einen gemeinsamen Nenner findet und respektvoll miteinander umgeht.“
Diese Kultur ist nach seiner Überzeugung kein Selbstzweck. Sie fördert Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und eine hohe Bindung an das Unternehmen. ELF verzeichnet eine geringe Fluktuation. Auch neue Kollegen hätten wiederholt hervorgehoben, dass sie eine solche Atmosphäre in früheren Unternehmen nicht erlebt hätten.
„Ein Unternehmen entwickelt sich nicht allein durch Maschinen und Kennzahlen“, erklärt Brüggemann. „Es entwickelt sich vor allem durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an einem guten Ergebnis zu arbeiten.“
Größtes Investitionsprogramm seit der Gründung
Zu seinem 15-jährigen Jubiläum richtet Brüggemann den Blick nicht nur zurück. ELF setzt aktuell das größte Investitionsprogramm seit der Unternehmensgründung um und richtet sich auf die Marktanforderungen der Zukunft aus.
Dazu gehören eine neue Produktionshalle mit direkter Verbindung zur bestehenden Halle inklusive der Weiterführung der Kranbahn, neue Säge-, Brenn- und Bohranlagen für die Bearbeitung der Stahlprofile, eine modernisierte Software sowie eine neue Wärmepumpenheizung für die Produktionshalle.
„Wir richten das Unternehmen technisch für die kommenden zehn Jahre aus“, sagt Brüggemann. „Die neuen Anlagen sind leistungsfähiger, präziser und deutlich energieeffizienter. Gleichzeitig schaffen wir damit die Voraussetzungen, künftig auch größere Bauteile, größere Spannweiten und zusätzliche Aufträge bearbeiten zu können.“
Nach vorsichtiger Einschätzung Brüggemanns kann die Leistungsfähigkeit der neuen Maschinen gegenüber der bisherigen Technik um etwa 50 Prozent steigen. Zugleich soll der Energieverbrauch deutlich sinken.
Die baulichen und technischen Veränderungen bereiten ELF außerdem auf weitere Automatisierungsschritte vor. Flexible Schweißroboter könnten künftig dort unterstützen, wo qualifizierte Fachkräfte zunehmend schwer zu finden sind. Noch sei die Variantenvielfalt im individuellen Hallenbau für viele Systeme eine Herausforderung. Die notwendigen Flächen und Strukturen werden jedoch bereits bedacht.
„Stillstand ist für uns keine Option“, sagt Brüggemann. „Wir investieren nicht, weil der Markt gerade einfach ist, sondern weil wir überzeugt sind, dass wir mit Qualität, Beratung und moderner Technik auch in anspruchsvolleren Zeiten weiter wachsen können.“
Verstärkung für den Vertrieb
Parallel zur Produktion baut ELF seine Vertriebspräsenz aus. Innerhalb eines Jahres wurde die Vertriebsmannschaft unter Berücksichtigung von Generationswechseln und personellen Veränderungen um rund 20 Prozent verstärkt. Neue Außendienstmitarbeiter sollen insbesondere die Präsenz in Süddeutschland und Sachsen weiter ausbauen.
Brüggemann sieht darin eine notwendige Reaktion auf ein verändertes Marktumfeld. Während der Corona-Jahre sei die Nachfrage teilweise mit vergleichsweise geringem Vertriebsaufwand sehr hoch gewesen. Inzwischen müssten Kunden wieder intensiver angesprochen und Projekte länger begleitet werden.
„In schwierigen Zeiten muss der Vertrieb mehr arbeiten“, sagt er. „Die Aufträge kommen nicht mehr von allein. Aber gerade dann ergeben sich Chancen für ein mittelständisches Unternehmen, das nah an den Kunden ist, schnell entscheiden kann und eine überzeugende Lösung bietet.“
Der Blick bleibt nach vorn gerichtet
Nach 15 Jahren zieht Klaus Brüggemann eine positive Bilanz. Aus dem Einstieg in ein mittelständisches Unternehmen wurde eine vollständige Unternehmensübernahme. Aus wirtschaftlich anspruchsvollen Phasen entstanden neue Strukturen und klare Qualitätsmaßstäbe. Aus einem gewachsenen Produktionsbetrieb wird derzeit ein technisch modernisierter Hallenbauer mit zusätzlichen Kapazitäten und einer stärkeren regionalen Aufstellung.
„Wenn man ein Unternehmen übernimmt, gibt es irgendwann keinen Rückwärtsgang mehr“, sagt Brüggemann. „Dann heißt es: Ärmel hochkrempeln, weitermachen und auch bei Gegenwind den Kurs halten.“
Diesen Kurs möchte er gemeinsam mit seiner Frau Stefanie und dem gesamten ELF-Team fortsetzen. Im Mittelpunkt sollen weiterhin solide wirtschaftliche Entwicklung, hochwertige Hallenlösungen und langfristige Beziehungen zu Kunden und Partnern stehen.
„Wir wollen weiter wachsen, aber mit Augenmaß“, fasst Brüggemann zusammen. „Wir haben ein starkes Team, ein gutes Produkt und investieren konsequent in unsere Zukunft. Deshalb gibt es für uns viele Gründe, optimistisch nach vorne zu schauen.“

